Arbeiten in einem Caravan-Park

Unsere Ankunft in Wye River ist nun schon ein paar Wochen her. Wir haben uns eingelebt- und gearbeitet und möchten dir zeigen was es heißt in einem Caravan-Park zu arbeiten, welche Vor-und Nachteile wir darin sehen und wie es uns in den ersten drei Monaten ergangen ist.

 

Angekommen, eingecheckt, abgecheckt

Als wir an unserem Ziel ankamen war es bereits dunkel. Wir meldeten uns an der Rezeption und wurden sehr nett von der Managerin des Parks empfangen. Anschließend wurden wir von einer Mitarbeiterin zu unseren neuen 4 Wänden escortiert. Sie stellte sich als unsere neue Chefin im Housekeeping heraus und war ebenfalls sehr nett. Am neuen Zu Hause angekommen, wurden wir mit unseren Nachbarn -einem englischen Pärchen- bekannt gemacht. Sie würden uns jedoch in ein paar Tagen verlassen, da sie die Arbeit bereits hinter sich gebracht hatten.

Der erste Eindruck der Hütte bzw. Kabine war vor allem eins: klein! Mit Betreten der Kabine stand man quasi direkt schon in der Küche, im Essbereich und im Wohnzimmer zugleich. Klingt vielleicht wie ein schickes Loft, belief sich aber eher auf ca. 5 Quadratmeter. Das nächste und letzte Zimmer, das Schlafzimmer, war durch eine Schiebetür von der Küche/Wohnzimmer/Esszimmer getrennt und beherbergte ein Doppelbett sowie einen kleinen Kleiderschrank. Das war es also. Unser neues Zu Hause.

Ein Badezimmer gab es nicht, sodass wir zur Toilette und um zu duschen 1 Straße weiter zu den Sanitäranlagen für die Gäste wandern mussten. Nach ein paar Tagen und besonders bei Regen und Kälte nervte uns das schon ein bisschen. An Kochen war mit der mobilen Herdplatte, die ca. eine halbe Stunde brauchte, bis sie einigermaßen heiß war, nicht zu denken. Wir packten also regelmäßig unseren Campingkocher aus und kochten vor der Hütte. Die Vorstellung, 6 Monate so zu leben, gefiel uns nur mittelmäßig.

Wir gingen schlafen und waren neugierig, was der erste Arbeitstag mit sich bringen würde. Da wir an diesem Abend nicht viel von der Umgebung sehen konnten, schauten wir uns am nächsten Morgen nach dem Frühstück erst mal um. DAS war also der Park und die Umgebung, in der wir ein halbes Jahr verbringen würden. Uns gefiel was wir sahen und wir fühlten uns wohl, umringt von so viel Wald, Natur, wilder Tiere und Meer. Es gibt auf jeden Fall schlechtere Orte zum Arbeiten. Die Umgebung entschädigte also ein bisschen unser Zu Hause.

Blick auf Caravan-Park

Unser neues Zu Hause

Strand Wye River

Strand in Wye River- direkt über die Straße

 

Die ersten Arbeitstage

Wir gingen zur Rezeption, wo bereits die anderen Mitarbeiter und unser Chef auf uns warteten. Etwas aufgeregt stellten wir uns unseren neuen Kollegen vor, die uns alle super nett empfingen. Dann ging es auch schon direkt los und wir wurden von einer anderen Engländerin, die uns ebenfalls bald verlassen würde, in das Housekeeping eingewiesen. Wir lernten wie man Kabinen richtig putzt, Betten macht, Sanitäranlagen zum Glänzen bringt und welche Details zu beachten sind, bevor Gäste in die Kabinen einchecken. Wir lernten das wohl coolste Ding im ganzen Park kennen- das E-Car- und den uralten Van mit seinen Macken, den ich liebevoll „Spinnenhölle“ nenne.

e-car

Das e-car

Spinnenweben in Auto

Die Spinnenhölle – und das aus gutem Grund…

Christian fährt Auto

Christian auf der falschen Seite 😀

Unser neuer Ansprechpartner und Manager der Rezeption drehte mit uns eine Runde um den Park und zeigte uns alles. Wir wurden außerdem gefragt, ob wir bereits Erfahrungen mit Arbeiten an der Rezeption hätten. Christian ja, ich nö.

Am zweiten Arbeitstag fand ich eine süße kleine Redback Spinne, die unter dem Putzeimer chillte. Der Putzeimer aus dem Van natürlich. Aber hey, no worries! Sie wollte mich nicht angreifen und ich sie auch nicht. Schneller als ich gucken konnte, wurde sie dann allerdings von meiner Kollegen platt gemacht.

 

Du machst das schon.

Am Nachmittag sollte ich dann an der Rezeption eingearbeitet werden. Christian sagte von vornherein, dass er gerne an der Rezeption arbeiten würde, ich hatte nicht so Bock drauf. Ich hatte mich gedanklich eher auf einen Job eingestellt, bei dem man einfach ‚machen‘ kann. Ohne viel zu denken, ohne große Verantwortung. Meine Freude über die Nachricht, dass ICH an die Rezeption darf, hätte also größer nicht sein können.

Aber ich bin ja offen für Neues und man kann ja nur dazu lernen. Dachte ich. Meine Kollegin versuchte mir neben Telefonaten, Check-Ins und Beantworten von Mails die Arbeit an der Rezeption und das verwendete Computersystem zu erklären. Mir wurde ein riesiges Pamphlet hingelegt, das ich lesen sollte und das mich offenbar schlauer machen sollte.

Ok, nach 2 Stunden hatte ich Bruchteile aufgeschnappt, das Ganze aber noch lange nicht verstanden, geschweige denn hätte ich gewusst, wie ich eine Buchung mache, Leute einchecke oder nicht völlig am Telefon versage. Meine Kollegin eröffnete mir, dass sie jetzt Feierabend habe und ich den nächsten Anruf entgegen nehmen sollte, damit sie ruhigen Gewissens gehen kann. WAASS? Echt? Ihr lasst mich nach 2 Stunden „Einarbeitung“ alleine an der Rezeption?

So war es offenbar. Mein Kopf hochrot und ich hatte eine Laune irgendwo zwischen verzweifelt, panisch und wütend. Der Manager wuselte immer mal um mich herum, hatte aber scheinbar keine Zeit, mich zu unterstützen. Ich sagte, dass ich mich in keinster Weise darauf vorbereitet fühle und bekam mit einem Lächeln die bekräftigende Antwort (übersetzt) „Entweder du schwimmst oder du gehst unter. Im Moment schwimmst du absolut.“ Aha. Fühlt sich eher an wie der langsame aber sichere Tod auf hoher See.

Als ich abends Heim kam war ich platt. Ich wusste, morgen würde ich wieder an der Rezeption arbeiten und stellte mich mental auf noch Schlimmeres ein.

Nach ein paar Wochen kann ich sagen, dass die Einarbeitung zwar nicht glorreich war, die Dinge aber meist auch nur halb so schlimm sind. Irgendwann hatte ich das Computersystem verstanden und die Australier mich auch am Telefon. Mein Lieblingsjob wird Rezeptionsarbeit nicht, aber zumindest fühle ich mich jetzt sicherer und es ist eine gute Abwechslung zum Putzen. Christian hat den Saubermann in sich entdeckt und macht den ganzen Tag fleißig Housekeeping. Nch ein paar Tagen durften wir dann auch in eine wesentlich grüßere und schönere Kabine umziehen. Mit eigener Küche und eigenem Bad! 🙂

Nachdem wir die Briten verabschiedet hatten, sollte ein neues Pärchen anfangen zu arbeiten. Brian und Rui wurden unsere neuen Kollegen und Freunde.

 

Typische Arbeit in einem Caravan-Park

Wir sind als „Caretaker“ angestellt. Unsere Aufgaben umfassen im Wesentlichen 2 Bereiche: Housekeeping und arbeiten an der Rezeption. Wie bereits angedeutet besteht Housekeeping in einem Caravan-Park hauptsächlich aus folgenden Tätigkeiten:

– Kabinen putzen und für die kommenden Gäste herrichten, das heißt:

  • Betten neu beziehen

  • Putzen

  • Kabine auf Vollständigkeit überprüfen

  • überprüfen, ob alles in einem guten Zustand ist oder ob ggf. etwas ersetzt werden muss (Toaster, Fernseher, etc.)

– Sanitäranlagen putzen

– Kabinen checken- ein letzter, sehr gründlicher Check, bevor der Gast die Kabine bezieht

– Wäsche waschen, falten

– gelegentlich entflohene Kühe oder Ziegen einfangen, Rasen verlegen und umgraben

Christian beim Putzen

„Was war noch mal wofür?“

An der Rezeption ist man vor allem mit Telefonieren, Gäste ein- und auschecken, Go-Kart-Verleih und sonstiger administrativer Arbeit beschäftigt. Telefonate beziehen sich vor allem auf Buchungsanfragen, Buchungen, allgemeine Fragen über den Park oder Zahlungen über das Telefon. Wie man Gäste ein- und auscheckt hat man schnell raus, wenn man einmal das System verstanden hat. Ansonsten ist man immer erste Ansprechperson bei vielerlei Fragen. Häufig muss ich bei den Managern die Antwort suchen, da die Fragen der Besucher des Parks so unterschiedlich wie kurios sein können.

 

Arbeiten in einem Caravan-Park: Winter vs. Sommer

Auf dieser Seite der Erdkugel ist momentan Winter bzw. Frühling und der Park bei Weitem nicht so voll wie im Sommer.

Zu dieser Zeit geht es im Housekeeping vor allem darum, die Kabinen wirklich, wirklich, wirklich gründlich sauber zu machen, das sind dann sogenannte „deep cleans“. Diese verlangen viele Nerven und Geduld ab. Wir freuen uns derzeit, wenn es an einem Tag mal viele Kabinen zu putzen gibt und man einfach nur machen kann, ohne das 30ste Ofengitter zu schrubben. Schön ist allerdings, dass im Winter auch viele Instandhaltungsarbeiten gemacht werden und man somit auch immer mal wieder andere als die klassischen Housekeeping Aufgaben bekommt. An der Rezeption ist es verhältnismäßig ruhig und man hat nicht viele Check-Inns an einem Tag.

Im Sommer empfängt der Park mehr Gäste, wodurch das Arbeitsvolumen steigt und man mehr Stunden bekommt. Zudem wird es lebhafter, aber auch hektischer. Die lästigen deep cleans fallen weg und an der Rezeption wird es mehr Arbeit geben. Ende September sind hier Schulferien, womit die wärmere und stressigere Zeit eingeleitet wird.

Winter sowie Sommer haben ihre Vor-und Nachteile in einem Caravan-Park. Wer es entspannter mag und sich vorstellen kann wirklich gründliche Putzarbeiten zu machen, der sollte eher in den kälteren Monaten in einem Caravan-Park arbeiten. Wem es an der Rezeption schnell langweilig wird, stressresistent ist und lange, aber harte Tage im Housekeeping akzeptiert, für den sind die Sommermonate die richtige Wahl.

 

Was stellen wir mit unserer Freizeit an?

Während unserer freien Tage haben wir vor allem immer ein großes Ziel: Lebensmittel einkaufen. Da wir hier recht abgeschieden leben und die nächste gute Einkaufsmöglichkeit ca. 1,5 Stunden entfernt ist, bleibt uns ein Großeinkauf an den freien Tagen nicht erspart.

Die restliche Zeit verbringen wir mit Ausflügen bei denen wir Wandern, Bouldern, Angeln oder Banh Mi essen.

Anne isst Banh Mi

Die Vorzüge der Stadt genießen ^^

Wir würden gerne viiiiieeel öfter klettern oder bouldern, aber das lässt unsere geographische Lage und das Wetter momentan nicht zu. Also müssen wir uns anderweitig ein bisschen austoben. Die 2 Hunde des Parks sind ganz aus dem Häuschen, wenn wir sie mit zum Strand nehmen.

2 Hunde

Pepper und George

Wir haben ein eigenen kleinen und dunklen Fitnessraum im Park, den wir jedoch noch nicht oft genutzt haben. Bisher sind wir lieber ne runde joggen gegangen und vor allem widmen wir uns hier mehr dem Yoga.

Nach Feierabend treffen wir uns häufig mit unseren Kollegen. Wir kochen regelmäßig füreinender, philosophieren übers Reisen und spielen viel Wizzard und GUB. Einmal in der Woche treffen wir uns außerdem mit den Festangestellten zu einem Fotoabend, an dem jeder seine Fotos zu einem bestimmten Thema präsentiert. Nein, Bingo spielen wir noch nicht und wir tauschen uns (so gut wie) nicht über unsere körperlichen Leiden aus.

Verglichen mit einem Backpacker, der in einem Hostel in Sydney arbeitet führen wir ein ruhiges und für manchen sicher langweiliges Leben hier. Wir mögen es 🙂 Sind ja auch nicht mehr ganz jung, haha.

 

Leben in einem Caravan-Park

Wie bereits angedeutet, verbringt man viel Zeit mit seinen Kollegen. Es fühlt sich ein bisschen wie eine Familie an. Man läuft sich unweigerlich häufig über den Weg und die Grenzen zwischen Arbeitsplatz und zu Hause verschwimmen hier.

Bereits zu Beginn wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen können 1 mal die Woche auf die 2 Kinder unserer Kollegen aufzupassen, damit diese sich eine Stunde im Pub zu zweit gönnen können. Man hilft sich gegenseitig aus und hat im besten Fall eine gute Zeit zusammen.

Leben in einem Caravan-Park bedeutet auch kleine Arbeiten zu erledigen, wenn man gerade nicht im Dienst ist- Kinder vergessen ihre Jacken auf dem Spielplatz, Gäste haben Fragen oder Wäsche wartet darauf, gefaltet zu werden.

Man arbeitet eben nicht nur in einem Caravan-Park, sondern man LEBT auch dort. Für ein paar Monate ist das unserer Ansicht nach eine sehr schöne Erfahrung. Als Festangestellter in einem Caravan-Park zu arbeiten, könnten wir uns jedoch nicht vorstellen. Besonders durch die Abgeschiedenheit würden wir uns eingeschränkt fühlen.

 

Unterschiede zur Arbeit zu Hause

Der oft nervige Arbeitsweg fällt weg. Hinzu kommt die Stimmung der Gäste, die auf Urlaub eingestellt sind. Das sorgt für eine angenehme Atmosphäre, auch wenn man selbst arbeitet. Insgesamt scheint die Arbeit hier weniger hektisch zu sein als zu Hause und man muss nicht an 20 Dinge gleichzeitig denken. Die Australier sind im Allgemeinen ziemlich entspannt und geduldig, so fühlt man sich auch als Anfänger in einem neuen Job nicht wie ein absoluter Trottel. Hierarchien sind hier weniger stark zu spüren. Man hat das Gefühl, dass Jobpositionen keine wesentliche Rolle spielen und der gemeine Australier sich auch nicht suuuper ernst nimmt.

Wir waren bereits mehrfach positiv darüber überrascht, dass die Wertschätzung hier eine andere ist, als zu Hause. Wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt, bedankt man sich hier für sämtliche Dienstleitungen, das kann die Busfahrt, das Beraten am Telefon oder eben auch die gut geputzte Sanitäranlage sein. Es beeindruckt uns, welche Dankbarkeit die Australier Personen entgegen bringen, die einen Job ausüben, dessen Ergebnis scheinbar selbstverständlich für uns geworden ist. Auch sind wir beeindruckt, dass körperlich harte Arbeit (Bauarbeiten, Straßenarbeiten, Putzen) auch finanzielle Würdigung erfährt.

 

Fazit

Wenn du darüber nachdenkst in einem Caravan-Park zu arbeiten können wir dich nur dazu ermutigen. Du hast quasi keinen Arbeitsweg, bist meist in einer schönen Umgebung und lebst in einer familiären Atmosphäre. Besonders im Winter geht es alles etwas ruhiger zu man wird nicht mit Arbeit überladen. Hinzu kommt, dass man keine speziellen Vorkenntnisse- oder Erfahrungen braucht. Ein bisschen selbst mitdenken hilft allerdings, wie in jedem Job. Nachteilig empfinden wir die Entfernung zu einer größeren Stadt, was aber nicht immer der Fall sein muss.

Arbeiten da, wo andere Urlaub machen? Wir finden es spitze!

1 Comment

  • Kiki 11 Monaten ago Reply

    Nice to read as mother 🙂

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