Autokauf im fremden Land – Pleite oder unvorhergesehenes Glück?

Wer frei sein möchte, muss die Freiheit suchen und sollte nicht darauf hoffen, dass sie einen irgendwann einholen wird. Rückschläge zu riskieren und diese vor allem zu akzeptieren ist dabei eine hohe Kunst. Beharrlichkeit und Geduld sind Faktoren, die über Glück und Unglück entscheiden können. Was unser Autokauf damit zu tun hat, erfährst du in diesem Artikel…

Seit unserer Ankunft in Perth haben wir viel Organisatorisches erledigt. Was wir konkret gemacht haben, kannst du dir im Beitrag über die ersten Tage in Perth ansehen. Ein Thema, das ganz oben auf der Liste stand, war der Autokauf.

 

 

Unsere Vorstellungen

Da wir beide keine versierten Mechaniker sind, ließen wir uns von Christians Vater und guten Freunden noch ein paar Tips geben, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Danach haben wir uns direkt ins Getümmel geworfen. Wir haben also Gumtree, diverse Facebook-Gruppen und auch Händler abgeklappert, um das richtige Auto zu finden.

Es sollte die eierlegende Wollmilchsau sein, welche ähnlich schwer zu finden ist wie eine Nadel im Heuhaufen. Unser Auto sollte nicht mehr als 4000 Doller kosten (entspricht ca. 2500€), ein Four-Wheel Drive sein, möglichst volle Ausstattung haben, eine Schlafmöglichkeit besitzen, unter 300000km gelaufen sein und generell einen guten mechanischen Zustand vorweisen. Kleine kosmetische Mängel machten uns dabei nichts aus. Unsere Ansprüche waren also ziemlich hoch angesetzt. Ob wir die Sau gefunden haben oder doch nur ein Ferkel mittlerer Klasse wirst du am Ende dieses Artikels wissen.

 

 

Show me what you got!

Nachdem wir einige Inserate aussortiert und markiert haben, vereinbarten wir die ersten Termine. Dann ging es los: wir schauten uns ein Auto nach dem anderen an, doch immer war irgendetwas nicht in Ordnung. Ein Auto hatte eine riesige Delle in der Karosserie, ein anderes war zu klein, das nächste zu teuer und dann kam ein unfreundlicher Händler, der bereits das Geld in seiner Tasche wähnte und am Ende doch leer ausging. Das Ganze ging immer so weiter…

Am darauffolgenden Abend haben wir zwei gute Inserate gefunden und die Bereitschaft, etwas mehr Geld auszugeben, stieg. Wir haben uns also mit den beiden Eigentümern getroffen. Optisch sah das erste Auto ziemlich gut aus, auch der Motorraum war für das Alter makellos. Dann wollten wir testen, was wirklich in dem Wagen steckt und schwups- kam die nächste Hiobsbotschaft

Der Four-Wheel Drive ging nicht und schon war der Gedanke, dieses Auto zu kaufen, in weite Ferne gerückt. Die nächste Besichtigung lief ungefähr genauso ab, nur dass bei diesem Gefährt zusätzlich die Rücksitze fehlten, wodurch die Option, andere Menschen mitzunehmen, völlig weggefallen wäre. Also war auch dieses Auto weit entfernt von unserer gewünschten Sau.

In Australien beginnt der Winter. Viele Backpacker beenden ihre Road Trips und treten die Heim- oder Weiterreise an. Der jetzige Zeitpunkt schien also wie geschaffen für den Autokauf, denn das Angebot war größer als die Nachfrage, wodurch wir viele Auswahlmöglichkeiten hatten.

 

 

Auf den Boden der Tatsachen

Aus unserer Sicht waren bei den Autos viele Blindgänger dabei. Wir hatten das Gefühl, dass jeder, der hier ein Auto kauft, so wenig Geld und Energie wie möglich hineinstecken möchte. Andererseits wird dem Auto viel abverlangt und im besten Fall verkauft man es dann zum gleichen Preis. Ein Stück weit können wir das nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass man das Auto meist nicht länger als ein paar Monate fährt. Allerdings ist es dann ein bisschen wie beim Russisch Roulette. Ohne jegliche (oder nur die nötigste) Instandhaltung bleibt es eine Überraschung, bei wem das Auto den Geist aufgibt.

Uns wurde langsam bewusst, dass es fast unmöglich war, an ein Wunder grenzen musste oder wir verdammt viel Glück haben mussten, um genau das zu finden, wonach wir suchten.

Das Spiel ging also von vorne los – Durchforsten der unterschiedlichen Plattformen und Heraussuchen von Angeboten. Diesmal schauten wir in den etwas höheren Preisregionen nach. Da fiel uns auch gleich so Einiges ins Auge.

Autokauf auf Weltreise -unser neues Auto ist ein Nissan Pathfinder in rot

Das Objekt der Begierde

Ruckzuck war der erste Termin vereinbart. Das Gefährt hatte ein Dachzelt, war völlig ausgestattet, nicht ganz so teuer.

 

Das Dachzelt des Autos

Das Dachzelt

Als wir uns dann mit den Eigentümern trafen, sah der mechanische Zustand auch ziemlich gut aus und das Auto hatte nicht mal 290000km auf dem Buckel. Zudem war das Auto erst letzte Woche beim Mechaniker zur Durchsicht, wobei nur Kleinigkeiten aufgefallen waren. Ein Service inklusive Ölwechsel stand an. Ansonsten gäbe es laut Unterlagen nichts, was dringend repariert werden müsste.

Der Motorraum des neuen Autos

Der Motorraum inklusive rotem Sand 😉

Die jetzigen Eigentümer hatten das Auto selbst erst vor drei Monaten in einem guten Zustand gekauft und waren nun am Ende ihrer Reise. Wir haben nicht lange gezögert, eine Runde mit unserem potenziellen Wegbegleiter zu drehen. Natürlich haben wir den Four-Wheel-Drive getestet. Dieser funktionierte zur Abwechslung super. Es schien so, als wäre das Auto eine echte Option.

 

 

Nägel mit Köpfen

Jetzt mussten wir uns nur noch über den Preis einigen. Dafür haben wir uns Bedenkzeit genommen, darüber sinniert, wie weit wir über unser Preislimit gehen würden und nach einiger Zeit einen Entschluss gefasst: Wir wollen es kaufen!!!

Also haben wir die Verkäufer angerufen, um unsere Entscheidung mitzuteilen. Dann hieß es warten, denn nun wollten sich die Verkäufer überlegen, ob sie ihr Auto für unser Preisangebot abgeben. Sie brauchten Bedenkzeit bis zum nächsten Morgen.

Uns blieb nichts anderes übrig, als uns erneut in Geduld zu üben. Da das nicht gerade Annes Stärke ist, wäre sie während des Wartens fast geplatzt. Nach so vielen Besichtigungen mussten wir immer wieder hoffen und Enttäuschungen kassieren, bis wir endlich ein ordentliches Auto gefunden hatten. Ob es bald in unserem Besitz sein würde – unklar.

Am nächsten Morgen waren wir gespannt und völlig erwartungsvoll gegenüber der Nachricht. Als das Telefon klingelte und wir die Mitteilung erhielten, dass sie unser Angebot annehmen würden, verbreitete sich ein Gefühl der Euphorie. Wir waren aus dem Häuschen und freuten uns, dass wir schon mal an eine Sache einen fetten Haken machen konnten. Endlich hatte das Suchen ein Ende und wir konnten in die Freiheit starten. Noch am selben Tag fuhren wir zum Department of Transport, um das Auto ummelden zu lassen. Alles verlief reibungslos.

Nachdem wir die Vorbesitzer des Autos wieder zu ihrem Hostel gebracht hatten, sind wir direkt auf die Piste und haben noch ein paar Dinge eingekauft, die unser neues Heim komplettieren. Denn zwei schöne Kaffeetassen sollten auf keinen Fall fehlen 🙂

Vollbepackter Kofferraum mit Vorräten

Vom Wasser- und Benzinkanister bis hin zum Ersatzrad ist hier alles zu finden!

Die Schubläden bieten viel Stauraum für Knoblauch & Co

Gegen Abend haben wir uns einen Campingplatz gesucht, um unser Nachtlager aufzuschlagen und das Dachzelt zu testen. Der Aufbau gestaltete sich easy, wenn auch das Zelt schon etwas mitgenommen ist. Es bietet definitiv genug Platz und die Konstruktion ist einfach genial. Auch Schlafen ließ es sich im Zelt (bis auf den Sturm, der 4 Tage Regen ankündigen würde) super.

Am nächsten Morgen sind wir dann alle Unterlagen durchgegangen und haben uns die Rechnungen der einzelnen Reparaturen angeschaut. Dabei fiel uns auf, dass der Zahnriemen bei diesem Kilometerstand eigentlich schon hätte gewechselt sein müssen.

Wir beschlossen, am Tag darauf zu einem Mechaniker zu fahren, um den anstehenden Service machen zu lassen. Gleichzeitig wollten wir herausfinden, in welchem Zustand der Zahnriemen sich befand bzw. ob er innerhalb der letzten 100.000km gewechselt wurde. Wir ließen „Kiki“ aka „das zornige Rotkehlchen“ also mit etwas elterlichen Gefühlen beim Mechaniker zurück und schlenderten in die Stadt.

Als wir dort einige Stunden totgeschlagen haben, bekamen wir eine Nachricht, dass das Auto jetzt bereit zur Abholung wäre. Wir nahmen die Beine in die Hand und gingen schnurstracks zur Werkstatt. Dort angekommen bewahrheitete sich das, was wir schon befürchtet hatten: Der Zahnriemen muss erneuert werden, dazu kommt noch ein Satz neuer Reifen und ein paar Kleinigkeiten. Es stellte sich also heraus, dass da doch einiges mehr zu machen ist, als ursprünglich angegeben war. Jackpot!

Der Mechaniker trug es mit Fassung, wir nicht so 😀 Das Gute daran war, dass sich die Reparaturen nicht so preisintensiv gestalteten, wie wir es uns ausmalten. Da wir sowieso keine Wahl hatten, vereinbarten wir einen Termin, um am kommenden Montag alle nötigen Reparaturen machen zu lassen.

 

 

Worum es hier eigentlich geht

Haben wir das perfekte Auto gefunden? Das wird sich zeigen. Viel wichtiger als die eierlegende Wollmilchsau ist der Umgang mit unvorhergesehen Problemen, welche die Reise erst zum Erlebnis machen.

Nach den Reparaturen wird das Auto auf jeden Fall in einer Verfassung sein, in der wir ruhigen Gewissens unsere Reise starten können. Außerdem können wir es dann irgendwann ebenfalls guten Gewissens wieder verkaufen. Der Mechaniker bestätigte uns noch einmal, dass es für sein Alter in einem guten Zustand ist. Die Reparaturen betreffen nur die Verschleißteile und müssen früher oder später gemacht werden. Wir haben uns für früher entschieden, damit wir uns während des Road Trips nicht über ein kaputtes Auto ärgern müssen.

Das neue Auto- Frontansicht

„Kiki“ aka „das zornige Rotkehlchen“ ist nun unser Wegbegleiter

Für uns war es wichtig, eine Entscheidung zu treffen und voran zu kommen. Sicher ist es nicht schön, die zusätzlichen Kosten für das Auto zu tragen, jedoch war es eine Erfahrung, die uns in Erinnerung bleiben wird. Wir akzeptieren die Situation wie sie ist und versuchen das Beste daraus zu machen. Das Beste ist für uns in diesem Fall, das Auto in einen guten Zustand zu bringen und zu hoffen, dass wir es durch die zusätzlichen Investitionen zu einem verlässlichen Begleiter machen. Da „Kiki“ uns für knapp ein Jahr dienen soll, waren wir bereit zu investieren und so hoffentlich auch den Wiederverkaufswert zu steigern.

Das zornige Rotkehlchen ist zum Abflug bereit! (ab Mittwoch :D)

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