Ohne cash in the tash geht’s leider nicht…

Eine Weltreise muss irgendwie finanziert werden und für uns war von Beginn an klar, dass wir erst arbeiten und dann reisen wollen, um unsere finanziellen Reserven nicht gleich aufzubrauchen. Nachdem wir uns ein Auto gekauft und dieses in Schuss gebracht hatten, stand nun die letzte große Hürde im Weg – wir brauchen Arbeit. Was wir aus der Jobsuche in Australien gelernt haben erfährst du in diesem Artikel.

 

 

1 x 2 Jobs bitte, to go

 

In einem unserer ersten Beiträge haben wir bereits kurz darüber geschrieben. Vor allem Anne, die vor vier Jahren schon mal in Australien war, hatte gute Erinnerungen über die Abläufe für Bewerbungen und welche Jobs in Frage kommen würden.

Also legten wir, nachdem wir einige bürokratische Dringlichkeiten erledigt hatten, direkt mit der Jobsuche los. In Deutschland waren wir beide als Pädagogen tätig und entschieden uns in Down Under vorerst gegen einen Job in diesem Bereich.

Einerseits wollten wir nochmal etwas Anderes machen, andererseits hat pädagogische Arbeit etwas mit Konsistenz gegenüber dem Klienten und dem Herstellen einer Vertrauensbasis zutun. Dies können wir mit unserem Visum nicht gewährleisten. Wir entschieden uns also für die Flexibilität und den Gastronomie – und Hotelsektor.

Wir fingen an das Internet zu durchforsten und landeten bei diversen Seiten wie, MLKA Recruitment, Indeed, workingholidayjobs, Gumtree und The Jobshop.

 

 

So haben wir uns angestellt

 

Zunächst suchten wir potenzielle Arbeit in Regionen, die uns landschaftlich ansprachen. Dann schauten wir uns allgemein nach Jobs um, für die konkret zwei Personen oder ein Paar gesucht wurde. Es gab leider nur sehr wenige ausgeschriebene Stellen. Zudem lag bei den meisten Angeboten die Bezahlung weit unter unseren Vorstellungen. Immer wieder haben wir uns also auch initiativ als „Allrounder“ in Hotels, Pubs, Resorts und Roadhouses beworben. Besonders bei abgelegeneren Regionen im Outback hofften wir auf eine Zusage.

Anne am Computer bei der Jobsuche in Australien

Anne bei der Jobsuche

 

Australien ist viel zu groß, als dass man sich ins Auto setzen und einfach mal eben persönlich vorstellen könnte. Darum haben wir häufig direkt zum Telefon gegriffen und versucht, das Bedürfnis zu erzeugen, uns einstellen zu wollen 😀 Anderen Arbeitgebern sind wir mit unserer Bewerbung per Mail auf die Nerven gegangen. Irgendjemand wird uns schon einstellen. Und wenn es nur aus Mitleid ist 😀

Insgesamt haben wir ca. 30 Telefonate geführt und um die 80 Bewerbungen per Email versandt. Wir haben uns auf ca. 20 ausgeschriebene Stellen beworben, 60 Mails gingen auf gut Glück raus. Wenn wir dann mal eine Antwort bekamen, beinhaltete diese meist eine Absage (Es wurden zu dem Zeitpunkt keine 2 neuen Teammitglieder gebraucht). Wir zweifelten kurz an unserer Bewerbung, gaben uns aber noch ein wenig mehr Zeit, auch wenn geduldig sein schwer fiel.

 

 

Wir nehmen alles was kommt….

 

Nachdem wir die erste Emailwelle versandt hatten, dauerte es ca. drei Tage, bis wir die erste positive Rückmeldung von einem Roadhouse bekamen. Anne war sofort Feuer und Flamme und wollte direkt anrufen, um das ersehnte Interview zu führen. Gesagt, getan…

Sie rief bei Phil an und stieß auf eine verwunderte Person am anderen Ende der Leitung. Nach einem kurzen Austausch fragte er ob wir wüssten, wie spät es sei. Daraufhin überlegten wir und es fiel uns wie Schuppen von den Augen. Da es bei uns bereits um 21:00 Uhr war und Phil glatte 2500km in Richtung Osten entfernt wohnte, stellte sich schnell heraus, dass es bei ihm bereits um 23:00 Uhr abends war. Hupsi. Beide lachten kurz darüber und vereinbarten für den nächsten Tag ein Interview.

In Australien laufen die Uhren etwas anders. Selbst bei einer Bar empfand der Besitzer unseren Anruf um 20:30 Uhr als spät. Nach Einbruch der Dunkelheit (was derzeit ca. 17:30 Uhr ist) sind die Straßen wie leer gefegt und man sieht kaum noch Lichter in den Häusern. Die Australier gehen früh ins Bett und stehen früh auf. Vergisst man als Europäer immer mal wieder.

Am nächsten Tag waren wir voller Vorfreude auf das Jobinterview und konnten es kaum erwarten, Phil anzurufen. Das Telefon klingelt, wir nahmen ab. Dann scherzten wir nochmal über den abendlichen Anruf und sprachen endlich über das Angebot.

Phil erläuterte uns die Tätigkeiten und zu welchen Konditionen wir bei ihm arbeiten würden. Wir wären die einzigen Angestellten. Wir waren uns darüber einig, dass beide Besitzer (Phil und seine Frau) sehr nett klangen und wir den Anforderungen gewachsen sein würden. Was Phil jedoch mehrfach betonte war, dass das Roadhouse, in dem wir uns beworben hatten „in the middle of f****** nowhere“ lag. Da wir uns vorher darüber informiert hatten, war uns das klar. Wir einigten uns anschließend darauf, über das Angebot nachzudenken und uns baldigst zurückzumelden.

große Känguru Satue und Wegweiser

Ungefähr so sieht „the middle of f******* nowhere“ aus 😀

 

Yeeehaa! Erstes Interview und gleich ein Jobangebot. Wir sind back in the game!

 

 

…oder doch nicht gleich das erste Angebot?

 

Nach erster Euphorie folgten gemischte Gefühle. Endlich eine Zusage und die Bestätigung, dass es möglich ist, auch als Paar einen gut bezahlten Job zu finden. Zugleich die Vorstellung im absoluten Nichts, umringt von Millionen krabbelnder und kriechender Kreaturen (Annes Vorstellung) zu arbeiten und dort keine anderen Beschäftigung nachgehen zu können. Hm…

Die folgenden Tage haben wir uns intensiv mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt und uns letztendlich gegen den Job entschieden. Ohne Zweifel wäre es eine super Erfahrung gewesen, drei bis vier Monate im australischen Outback zu arbeiten, jedoch hatten wir Respekt vor „the middle of f****** nowhere“. Weichgespülte Mitteleuropäer eben.

Tage vergingen, unzählige Bewerbungen haben unser Emailkonto verlassen und die Rückmeldungen blieben aus. In der Zeit hatten wir uns außerdem um unser Auto gekümmert und diverse Male die Unterkunft gewechselt. Wir hatten keinen Bock mehr auf unterirdische Hostels und wollten etwas Neues ausprobieren. Die hoffentlich letzte Bleibe in Perth sollte eine AirBnB Unterkunft sein.

 

 

Arbeit im Wandel

 

Unser Host war super nett und sehr hilfsbereit. Nach einigen Gesprächen stellte sich heraus, dass die Arbeitslosigkeit seit einigen Jahren auch in Australien Einzug gehalten hat und dass viele Menschen Arbeit suchen.

Da bestätigte sich unser Gefühl, das sich durch die Vielzahl an Jobsuchenden in diversen Facebook-Gruppen und durch ein Telefonat mit einer Arbeitsvermittlerin entwickelt hat. Es gab zu viele Suchende und zu wenige Annoncen. Und wir mittendrin. Auf die meisten Jobangebote für Backpacker kamen mindestens zehn Anfragen. Innerhalb der ersten Stunde 😀

Für uns war es zwar auch etwas niederschlagend, dieser Tatsache ins Auge blicken zu müssen, dennoch war es vor allem eines – interessant. Innerhalb von 4 Jahren scheint sich hier einiges verändert zu haben. Nicht nur die Backpacker sind davon betroffen, auch Australier haben zunehmend Schwierigkeiten Arbeit (vor allem in Vollzeit) zu finden. Es bleibt spannend, was dies zukünftig für Backpacker bzw. das ganze Reisen mit einem Working Holiday Visum bedeutet.

 

 

Und wir in Eile

 

Wir bewarben uns weiter und riefen bzw. schrieben jeden an, der auch noch so weit weg war. Völlig unerwartet bekamen wir einen Anruf von einem Resort am Uluru. Die Jobvermittlerin vereinbarte dann für den nächsten Tag einen Interviewtermin mit jedem von uns.

Auch hier waren wir voller Euphorie und hofften auf gute Arbeitsbedingungen. Wir erkundigten uns über das Resort und uns gefiel die Vorstellung, dort zu arbeiten. Am nächsten Tag bekamen wir nacheinander den Anruf und führten jeweils ein Interview von einer Stunde. Danach stellte sich mal wieder Ernüchterung ein. Die Bezahlung war wesentlich schlechter als wir erwarteten. Sollte das Resort Interesse an uns haben, würde es zu einem zweiten Interview kommen.

Zwischenzeitlich konnten wir unser Auto aus der Werkstatt abholen, was doch mehr Zuwendung brauchte, als ursprünglich erwartet. Unsere finanziellen Ressourcen schrumpften also zudem auch noch.

 

 

Aufbruch, Reiselust, frische Luft

 

Wir wollten nicht länger ausharren und warten, bis wir den entscheidenden Anruf bekommen würden. Also beschlossen wir, einen Roadtrip zu starten und die Zeit zu genießen. Es würde sich dann schon irgendwas ergeben. Wir verließen noch am gleichen Tag Perth und fuhren in Richtung Norden, wo das Wetter besser war. Auch wenn diese Entscheidung das Risiko mit sich brachte, genau in die falsche Richtung zu fahren.

2 Stunden später schauten wir uns die Pinnacles an. Von Weitem sehen die Gebilde aus wie Termitenhügel. Es handelt sich hierbei jedoch um bis zu 2,5 Meter große Sandsteintürme, die durch den Wind und dessen Abtragungen geformt wurden. Das sieht schon abgefahren aus! Bereits jetzt sind wir überglücklich, endlich aus der Stadt raus zu sein und zum ersten mal bekommen wir das Gefühl, zu reisen.

Pinnacles-Nationalpark, Western Australia

Pinnacles-Nationalpark, Western Australia

Pinnacles-Nationalpark, Western Australia mit Christian und Anne

Selfie tiiiiime

 

Wir suchten uns für die Nacht einen Campingplatz, denn es regnete bereits seit fast einer Woche. Am nächsten Tag verließen wir den Campingplatz recht früh und stellten unser Auto am Strand ab. Dort sollte Kikis Nest (das Dachzelt) trocknen, während wir am Strand spazieren gingen.

Strand in Jurien Bay, Western Australia

Strand in Jurien Bay, Western Australia

 

Annes Telefon klingelte- einen Anruf von dem Resort am Uluru, zweites Interview. Für uns stand eigentlich davor bereits fest, dass wir auch diesen Job nicht annehmen würden.

 

 

Weiter Richtung Norden…

 

Nach einer Weile war das Zelt getrocknet und wir machten uns weiter in Richtung Norden. Keine Stunde später bekamen wir einen Anruf von einem Holiday Park, den wir schon längst abgeschrieben hatten. Wir hielten am nächstbesten Parkplatz an und Anne klopfte die Konditionen und möglichen Arbeitsbereiche ab. Dann beendete sie das Telefonat und berichtete über alles.

Es wurde ein Paar für mindestens 6 Monate gesucht und wir könnten sofort anfangen zu arbeiten. Die Tätigkeit besteht überwiegend aus Housekeeping, Arbeit an der Rezeption und anderen sonstigen Tätigkeiten, die anfallen. Das Gehalt sagte uns ebenfalls zu. Insgesamt klang es nach einem soliden Gesamtpaket und die Region war super. An der Great Ocean Road gelegen hat man auch an seinen freien Tagen viel zu entdecken und noch wichtiger – der nächste Klettergarten sollte nicht weit weg sein. Ok, da unten ist es gerade kalt, weil Winter, aber was solls. Wir sind ja schließlich einiges gewohnt als hartgesottene Mitteleuropäer 😛

Wir diskutierten kurz, waren uns jedoch sofort einig, dass wir diesen Job annehmen würden. Perfekt! Wir riefen zurück und vereinbarten, dass wir sechs Tage später am Big4 Wye River Holiday Park ankommen würden, um direkt in die Arbeit einzusteigen. Das war mal spontan! 😀

 

 

…und letztendlich doch nach Südosten

 

Also hieß es für uns wieder umzukehren (wie konnte es auch anders sein) und stolze 3593 Kilometer in den Südosten Australiens, nach Victoria, zu fahren.

Unsere Entscheidung geriet kurz ins Wanken, als wir an dem Tag noch 2 weitere Anrufe und Jobangebote bekamen, die deutlich näher (in Western Australia) gewesen wären. Nach kurzem Hadern beschlossen wir, dass der Holiday Park das beste Angebot war und außerdem schon unsere Herzen erobert hatte.

Wir werden also die nächsten Monate umringt von Wald und Meer mit Housekeeping und Arbeit an der Rezeption verbringen und freuen uns drauf!!

 

 

Was haben wir gelernt?

 

Zu Beginn unserer Reise hatten wir die Wunschvorstellung, dass wir mit der Ankunft in Australien sofort durchstarten könnten. Diese Euphorie ist wichtig, um zu Beginn alle notwendigen Wege zu erledigen und möglichst schnell in das Abenteuer einzutauchen. Schnell merkten wir jedoch, dass nicht alles so lief, wie wir uns das vorstellten und manche Tage echt zäh waren.

Wir haben am Anfang einige frustrierende Momente erlebt und uns ist klar geworden, dass es ab sofort heißt, einen Gang zurückzuschalten. Situationen auch mal aushalten zu können, kann der Schlüssel zum Erfolg sein. Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

Wir wollen zukünftig auch die Momente mehr genießen, die auf den ersten Blick als nervtötend erscheinen.

Ein wichtiger Punkt, der unser Wunschdenken beeinflusst hat, war die Vorstellung, schnell einen Job zu finden. Dass dies nicht so einfach war, wissen wir nun. Auch wenn sich die Arbeitswelt in Australien verändert hat, lohnt sich die Reise. Man solle sich selbst ein bisschen mehr Zeit geben, so wird man vielleicht mit dem Job belohnt, den man sich erhofft hat.

Daraus ist uns auch einmal mehr bewusst geworden, dass es sehr wichtig ist, seine Ziele zu verfolgen. Sicherlich hätten wir frühere Jobangebot annehmen können, um überhaupt Arbeit zu haben. Wären wir damit glücklich gewesen? Da können wir nur spekulieren.

Wichtiger war es für uns, die eigenen Ziele im Blick zu behalten und diese halbgaren Jobangeboten vorzuziehen. Wir sind Kompromisse eingegangen was die Tätigkeit und die Entfernung betrifft. Diese wurden für uns jedoch wieder aufgewogen durch die Umgebung und das Gehalt.

Wenn man sehnsüchtig auf etwas wartet, so wie wir auf den Job gewartet haben, dann sollte das nicht bedeuten, in dieser Zeit jegliche anderen Interessen links liegen zu lassen.

Wir wollten nicht ausharren und hoffen, dass wir einen Anruf bekommen würden, denn das könnte morgen oder erst in zwei Wochen sein. In der verstrichenen Zeit hätte man viele erleben können… Deshalb wurden wir in dem Gefühl bestärkt, noch mehr die Zeit, die wir haben, zu nutzen. Auch wenn es nur ein Tag oder ein paar Stunden sind.

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