Roadtrip durch das australische Outback

3 Bundestaaten, viele Kilometer & niedriege Temperaturen

Der Entschluss war gefasst, das Auto vollgetankt und wir eckig, zu arbeiten. Wir starteten aslo einen Roadtrip durch das australische Outback in das 3593km entfernte Wye River. In 6 Tagen sollten wir dort sein. Das bedeutete für uns einen straffen Zeitplan und viiieel Zeit im Auto. Was wir im Outback erlebt haben und wie man sich die Zeit 6 Tage im Auto vertreibt erfährst du hier.

 

 

Long way to go

Die nächsten 6 Tage würden wir auf der Straße und mit durchschnittlichen 90km/h auf engstem Raum verbringen. Es ging direkt mittags von Leeman los, nachdem wir die Jobzusage bekamen. Nach einem halben Tag Autofahrt war es Zeit, dass wir uns ein Nachtlager suchten. Durch die App „WikiCamps“ kann man easy einen Schlafplatz in der Nähe finden. Je nachdem welche Filter man anwendet werden sogar kostenlose Zeltplätze, mit oder ohne Toiletten/Wasser/Handyempfang usw. angezeigt.

Wir brauchten im Grunde nur einen Standplatz für unser Auto, auf dem es nicht verboten war, zu schlafen. Alles andere war uns Wurscht. Es begann bereits zu dämmern und wir wollten vermeiden im Dunkeln zu fahren, da besonders dann Kängurus und andere Tiere aktiv sind und es häufig zu Unfällen kommt. Nicht cool für die Tiere und auch nicht cool für uns.

Straße im Outback mit Nebel am Morgen

Wahrlich eine Fahrt ins Unbekannte

 

 

Die erste Nacht unterwegs

Wir parkten Kiki also auf einem kleinen Rastplatz am Straßenrand, der durch ein Stück Wald etwas versteckt lag. Das erste mal Wildcampen. Keine Menschenseele, stockduster, nur ein Sternenhimmel und leuchtende Spinnenaugen, die uns anstarrten. Aaaahhhh! Während des Abendbrots saß ich im Kofferraum, meine Füße auf der Stoßstange geparkt, damit ja keine Spinne meine Beine hochkrabbelt. Die Tierwelt Australiens und ich müssen uns erstmal wieder langsam aneinander gewöhnen.

Der erste Abend fernab jeglicher Zivilisation fühlte sich für uns etwas mulmig an. Wir krochen recht früh in unser Dachzelt und versuchten zu schlafen. Das gelang uns allerdings beiden nicht so richtig. Als mitten in der Nacht ein Auto auf den Parkplatz fuhr, dachte ich „Oh cool, andere Backpacker, die auch hier pennen wollen“. Als sich das Auto näherte und jemand plötzlich rief „“F****, there are other people, turn around!“ gefolgt von einem so lauten „get out of here!“, raste bei uns beiden das Herz. Das Auto fuhr mit brüllendem Motor in einem U-turn an uns vorbei und war noch aus einigen Kilometern Entfernung zu hören. So ganz allein fühlten wir uns ziemlich der Situation ausgeliefert und fragten uns, was da gerade passierte.

Letztendlich schliefen wir doch noch ein bisschen und waren froh, als am nächsten Tag die Sonne aufging. Nicht gerade die romantische Vorstellung, die man so vom Campen unter australischem Sternenhimmel hat.

 

 

Ein bisschen Touri-Kram

Wir wussten, dass auf dem direkten Weg nach Wye River nicht viele landschaftliche oder touristische Highlights auf uns warten würden, deshalb beschlossen wir an diesem Tag einen kleinen Umweg zu fahren und uns „Wave Rock“ anzuschauen. Der Name ist Programm, denn dieser Fels ist tatsächlich geformt wie eine Welle, am höchsten Punkt ca. 15m hoch und mehr als 100m lang. Die Gesteinsformation besteht aus Granit und ist von den Seiten begehbar, sodass man von oben einen wunderbaren Ausblick genießen kann.

Wave Rock bei Hyden, Australien

Wave Rock, Hyden

 

 

Unsealed Roads

Um nach Norseman (unser Tagesziel) zu gelangen mussten wir durch den Umweg nun eine unbefestigte Straße nehmen. Das war tatsächlich mal ein ganz anderes Erlebnis. Besonders wenn plötzlich ein Truck auftaucht, der die gesamte Straße einnimmt und eine dichte Staubwolke hinter sich lässt.

unbefestigte Straße bei Roadtrip durch das australische Outback

Unsere erste richtige „Unsealed Road“ (Das war der bessere Teil der Straße)

Selbst bei 30km/h fühlten wir uns beim Steuern des Autos unsicher. Der rote, lockere Sand unter den Rädern ließ das Auto hin und her gleiten, ohne dass man richtig Kontrolle darüber hatte. Die Straße verbesserte sich zum Glück und wir konnten schneller fahren. Australier rasten mit 100km/h an uns vorbei, als sei die Straße gerade neu geteert worden. Mit Verspätung und bereits im Dunkeln erreichten wir noch unser Tagesziel.

 

 

Uns kann so leicht nichts mehr erschrecken

Die nächsten Nächte verliefen ruhiger als die erste und meist waren auf den Schlafplätzen noch andere Leute. An die Spinnen (die natürlich nicht als höchstes Ziel hatten mein Bein hochzukriechen und mich in Schockstarre zu versetzen) gewöhnte ich mich auch immer mehr. Nicht dass ich sie lieben würde, aber wir haben ein unausgesprochenes Friedensabkommen.

Nachts war es sehr kalt und wir freuten uns mega, unsere Daunenschlafsäcke und -jacken dabei zu haben. Eines Morgens wachten wir auf und sowohl das Zeltinnere als auch das Gras waren gefroren. Aber wer im australischen Winter in den Süden fährt ist auch selbst schuld.

Christian baut das Dachzelt bei Sonnenaufgang zusammen

Christian packt gerade das Zelt zusammen und verliert dabei fast seine Fingerkuppen- so kalt ist es.

 

Sonnenaufgang an Steilküste in South Australia

Dafür entschädigt diese tolle Aussicht alle Unanehmlichkeiten

 

 

Ein typischer Tag

Wir standen täglich 7 Uhr auf und starteten meist ohne Frühstück. Der erste Hunger wurde mit Mandeln oder Bananen bekämpft, bis wir dann mittags irgendwo anhielten und uns einen Kaffe und etwas mehr zu Essen gönnten. Fanden wir unterwegs keinen Ort, wühlten wir in unseren Vorräten und aßen,was gerade da war. Manche „Orte“ auf der Karte bestanden tatsächlich nur aus einem Roadhouse, was für uns nach langem Geradeausfahren ein wenig enttäuschend war.

ehemalige Tankstelle in Nullarbor Wüste

Eine Tankstelle aus längst vergangen Tagen.

Warnschilder für Wildlife im australischen Outback

Achtung Wildlife!

So eine Autofahrt kann schon ziemlich ermüdend sein, vor allem wenn es durch eher abwechslungsarme Regionen wie die Nullarbor Wüste geht. Wir kalkulierten jeden Tag, wie weit wir ungefähr fahren würden und suchten uns dort ein Ziel zum Schlafen. Die Zeitverschiebung arbeitete bei unserer Kalkulation gegen uns. Wir mussten insgesamt 2 Stunden einbüßen, die sich bemerkbar machten.

 

ausgetrockneter See in Australien

Auf dem Nullabor Highway lohnen sich ein paar kurze Zwischenstops.

Gegen die lange Weile halfen uns vor allem Musik, reden und amateurhafte Versuche die Landschaft zu filmen oder Fotos aus dem Auto zu schießen. Gegen Ende der Reise habe ich Christian ein Kinderbuch über einen Wombat vorgelesen, der versucht von Deutschland nach Australien zu kommen. Absolutes Highlight auf so einer Strecke! Neben der schleichenden Veränderung der Landschaft. Ein sehr amüsantes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann 🙂

Wombats sieht man in Australien nicht so häufig. Wir haben einen über die Straße laufen sehen. Die anderen, die wir entdeckten, wurden von den vorbeifahrenden Autos getötet und lagen am Straßenrand. Mit Kängurus ist das ähnlich. Insbesondere im Outback sieht man leider wesentlich mehr tote als lebendige Kängurus. Mit etwas Glück kann man auf dem Weg jedoch auch lebende Tiere wie Echidnas (Ameisenbär), Adler und Kamele beobachten.

Interessant waren für uns auch die kleinen Städte oder Dörfer mitten im Nichts. Wir waren beeindruckt von dem völligem Eigenleben solch einer kleinen Ortschaft im Outback, von der die nächste große Stadt oft hunderte Kilometer entfernt liegt. Wir fragten uns, welche Arbeit die Menschen in einem solchen Ort wohl ausübten (neben Jobs in den örtlichen Shops, Schulen und Farms) und und ob es speziell für solche abgelegeneren Regionen Unterstützung durch die Regierung gibt.

 

 

Vorräte

Wer einen Trip durch das Outback macht sollte nicht nur an Musik, Kinderbücher und genügend Nervennahrung denken, sondern vor allem auch an Wasser- und Kraftstoffreserven. Die Rede ist hier nicht von 2 Flaschen Wasser für 2 Personen, sondern eher von ca. 20 Liter Wasser pro Person, abhängig davon, wie viele Tage der Trip andauern soll. Bei einer Panne kann genügend Wasser überlebenswichtig sein!

Da unser Auto sowohl Benzin als auch Gas schluckt, hatten wir beim Tanken die Wahl und wussten, dass wir bei sehr hohen Spritpreisen auch auf unseren vollen Autogastank ausweichen konnten. Außerdem hatten wir zusätzlich 20 Liter Benzin im Gepäck.

Dank einer weiteren hilfreichen App, konnten wir den hohen Benzinpreisen teilweise entkommen und standen nie im Outback ohne Sprit am Straßenrand. „Fuelmap“ zeigt an wo die nächste Tankstelle ist und was das flüssige Gold dort kostet. So hatten wir immer einen guten Überblick und konnten einige Dollar sparen.

An einem Tag wollten wir auf Nummer sicher gehen. Wir wussten nicht, ob unser Benzin noch bin zum nächsten Ort reichen würde. Also beschlossen wir eine Plastikflasche aufzuschneiden und den Flaschenkopf als Trichter zu verwenden. So wurde mühselig und mit ein bisschen Sauerei der Tank gefüllt und wir nahmen uns vor, bei der nächsten Gelegenheit einen Trichter zu kaufen 😀

An der Grenze zu South Australia erwartete uns eine ungewohnte Kontrolle. Wir wurden angehalten und gefragt, ob wir Obst oder Gemüse bei uns hätten. Logisch! Wir hatten Äpfel und ein paar Avocados. Diese wurden uns direkt abgenommen und entsorgt 🙁 Der Beamte war sehr nett und wir mussten keine Strafe zahlen. Mit derartigen Kontrollen soll die Ausbreitung von Fruchtfliegen verhindert werden, die schädlich für die zahlreichen Obstplantagen sein könnten.

 

 

Das Ziel rückt näher

Nachdem wir die größere Stadt Port Augusta erreicht hatten, veränderte sich die Natur merklich und uns wurde klar, dass wir einen Großteil der Strecke hinter uns gebracht hatten. Die Landschaft wurde bergiger und grüner. Innerhalb eines Tages hatten wir das Gefühl, in einem völlig anderem Klima gelandet zu sein. Wir näherten uns dem Bundesstaat Victoria, in dem wir die nächsten Monate verbringen wollten.

Landschaft mit Wasser und trockenem Gras in Southa Australia

Ganz hinten im Bild kann man ein bisschen grün sehen 😀

Ein letztes mal schliefen wir in South Australia, bevor wir am nächsten Abend in Wye River ankommen würden. Für den letzten Tag hatten wir uns viel vorgenommen: 670km und ein Großeinkauf.

grüne Wiese mit Weinplantage und Schafen in Victoria, Australien

In Victoria gibt es viele Weinplantagen und Schafe.

Am Rande von Adelaide machten wir einen Stopp und gingen Lebensmittel für die erste Woche in der neuen Heimat und Arbeitskleidung einkaufen. Nach Tagen der Abgeschiedenheit plötzlich wieder durch ein Shoppingcenter zu laufen fühlte sich surreal und stressig an. Wir beeilten uns also und düsten voll bepackt los. Wir wollten noch vor Einruch der Dunkelheit Wye River erreichen. Hat nicht geklappt. Dennoch sind wir erschöpft und glücklich am gleichen Abend gegen 18:30 angekommen und konnten unsere Hütte beziehen. Wir verabschiedeten uns gedanklich vorerst vom Reisen und stellen uns auf arbeiten ein. Gute Nacht!

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